Eisenbahn im Film  –  Rail Movies 
 

 

 

 

Amokfahrt zum Pazifik

 

Art: Spielfilm
Produktion: Deutschland 1999
Regie: Hans Werner
Farbe
Laufzeit: 90'

 

Inhalt

Ein Güterzug fährt quer durch Kanada. Im Bahnhof Moose Jaw werden drei geschlossene Güterwagen für Giftmülltransporte angehängt, die aber in Wirklichkeit einen Terroristen als Gefangenen transportieren. In Calgary kommt an den Güterwagen noch ein Salonwagen, der drei deutsche Touristen befördert (eine Frau, deren Verlobten und den Bruder des Verlobten). Beim Start des Zugs in Winnipeg springen eine junge Deutsche und ein alter Deutscher als Tramps auf den Zug.

Der Lokführer hat an diesem Tag einen Beimann, weil er ab Calgary ohne Ablösung fahren soll. Am Tag zuvor erfuhr er, dass der Beimann, sein bester Freund, ihn mit seiner Frau betrügt. Deshalb will er den Beimann töten. Er prügelt sich mit ihm und will dann mit dem Zug in den Tod rasen. Dabei überfahrt er alle roten Signale – der Zug lässt sich nicht bremsen.

Der Gefangene im Zug befreit sich inzwischen und kidnappt die Leute im Salonwagen. Das bekommen die Tramper und einer aus dem Salonwagen irgendwie mit. Es gelingt ihnen, den Terroristen zu überrumpeln und den Lokführer dazu zu bringen, den Zug wieder „richtig“ zu fahren.

Naja, nett gespielt, aber etwas zusammengestoppelt. Einen Befreiungsversuch von außen gibt es nämlich auch noch.

 

Eisenbahn

Zu sehen gibt es diverse Streckenaufnahmen in Kanada, auch in den Bergen: die in vielen Filmen üblichen Szenen, in denen über die Waggondächer gelaufen wird, und Rangierszenen. Aber es kommt auch ein Blick in das Betriebswerk Calgary mit vielen roten Dieselloks vor.

Vor dem Zug kommen (zum Teil auch in Doppeltraktion) die Dieselloks 6041 sowie 5941 zum Einsatz, auf Lok 6063 wird gelegentlich herumgeklettert, außerdem ist 1525 zu sehen. Einige Waggons tragen die Aufschrift der British-Columbian Rail.

Zusatzbemerkung von JB: Ich habe für „Amokfahrt zum Pazifik“ außerdem ein Zwei-Wege-Fahrzeug (Schiene/Straße) notiert, das mit einem Kran ausgerüstet ist.

Lokomotiven

Die im Film gezeigten Loks gehören der Canadian Pacific (CP), Hersteller ist General Motors Diesel:

LokTypAchsfolgeBaujahrFabrik-Nr.Bemerkungen
5941SD40-2Co’Co’ 1979A 3834 
6041SD40-2Co’Co’ 1983A 4304 
6063SD40-2Co’Co’ 1984A 4452 
1525 (?)GP9Bo’Bo’ 1954A 682Ersteinsatz als CP N 8484, 1981 von CP rekonstruiert als GP9u

 

Nicht zu bremsen

Das Motiv eines Zugs, der ungebremst und unaufhaltsam seinem Verderben entgegenrollt, findet sich in vielen Spielfilmen aller Zeiten. Spannung ist durch solch eine Story garantiert, meist aber auch massive Unglaubwürdigkeit, was die realen technischen Abläufe bei Eisenbahnen betrifft.

Dieser Motivstrang der Filmgeschichte lässt sich nicht nur auf eine sozusagen naturgegebene Suspense-erzeugende Wirkung zurückführen. Zusätzlich kann man ihn auch interpretieren als das unausgesprochene, im Hintergrund aber wirksame Loblied auf jede Art von Individualverkehr, bei dem der Fahrzeugführer vorgeblich jederzeit Kontrolle über Tempo und Richtung seiner Fortbewegung hat, oder mindestens die Möglichkeit dazu; dies gilt übrigens auch für Filme mit Flugzeug- oder Seefahrtthematik. Die Eisenbahn dient von daher gesehen als – irreales – Negativbeispiel davon.

Zu dem Blickwinkel passt aber auch, dass Züge oder Lokomotiven in Filmen häufig wie Autos (vor allem in US-Filmen eigentlich: wie Reitpferde) „gelenkt“ werden – das „Negativbild“ wird vom unausgesprochenen „Positivbild“ bestimmt und überlagert, um daraus Spannungs-Funken schlagen zu können.

Spielfilme richten ihre zentrale Aufmerksamkeit in der Regel auf Individuen, auf deren innere und äußere Bedingungen und Entwicklungen sowie auf ihre Handlungen. Daher können die Filme und ihre Geschichten meist nichts damit anfangen, dass es „kollektiv“ und/oder durch Technik gesteuerte Abläufe wie etwa bei den Sicherheitssystemen der Eisenbahnen gibt. Institutionelle Vorkehrungen gegen Bahn-Unfälle müssen Spielfilme folgerichtig ignorieren. Oder sie diffamieren sie, indem sie als fehlerhaft in den Mittelpunkt gerückt werden. Aufgabe des „Helden“ (Protagonisten-Individuum, mit dem sich das Zuschauer-Individuum identifizieren soll) ist es dann, dieses fiktive, vom Film selbst konstruierte „Manko“ auf eigene Faust zu überwinden.

 

Autoren dieser Filmbesprechung: Frank Glaubitz, Manuel Gurtner (Lok-Tabelle) und Joachim Biemann (Abschnitt „Nicht zu bremsen“)

Online: 19.01.2003
Version vom 24.05.2009
html-Status: 13.10.2009

 

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